Vom Bioabfall zum Gütekompost

Die Biokompostierungsanlage im SWN-Wertstoffzentrum verwertet knapp 30.000 Gewichtstonnen Bioabfall aus dem Kreis Segeberg und der Stadt Neumünster zu hochwertigem Gütekompost. Landwirte aus der Umgebung des SWN-Wertstoffzentrums düngen ihre Äcker mit dem Gütesiegel geprüften Frischkompost. Sie können so ihren Kunstdüngereinsatz senken und verbessern gleichzeitig ihren Boden. Denn Kompost trägt dazu bei, den Humusanteil des Ackerbodens zu erhöhen. So wird im Bereich der Biokompostierung heute schon eine vollständige Kreislaufwirtschaft erreicht. Der Kompost als Produkt der Bioabfallverwertung wird genau dort wieder eingesetzt, wo Getreide, Obst und Gemüse entstehen.

Verfahren der Kompostierung

Das Verfahren der Kompostierung ist einfach gehalten: Nach der Anlieferung der Abfälle werden diese in einem großen Schredder gemischt und zerkleinert. Anschließend wird das Material unter Luftzufuhr (aerob) gerottet. Dafür stehen spezielle Container und zeltartige Rotteboxen zur Verfügung. Beide sind an ein Belüftungssystem angeschlossen, das die verbrauchte, geruchbelastete Luft zu einem Biofilter führt, der die Abluft reinigt. Der 400 Quadratmeter große Biofilter ist mit Holzhackschnitzeln gefüllt. An der Oberfläche der Holzstückchen leben Bakterien, die sich von den Inhaltstoffen der Abluft ernähren. Die gereinigte, etwas erdig riechende Abluft tritt über die Oberfläche des Filters nach außen.

Nach einwöchiger Rottezeit bei mindestens 65° C ist der Kompost hygienisiert. Er enthält keine keimfähigen Saaten und Sporen mehr. Nach zwei Wochen ist der Frischkompost fertig. Er wird abgesiebt, bevor die Landwirte aus der Umgebung sich den wertvollen Dünger abholen, um ihn auf ihre Äcker auszustreuen und unterzupflügen. 99 % des Frischkomposts geht in die Landwirtschaft. Den Rest nutzen Privatleuten sowie Garten- und Landschaftsbaubetriebe.

Kompost mit hoher Qualität

Die Qualität des Komposts wird regelmäßig von einem unabhängigen Institut untersucht. Seit 1995 ist der Kompost des SWN-Wertstoffzentrums mit dem hoch angesehenen Gütesiegel der Bundesgütegemeinschaft Kompost ausgezeichnet. Landwirte und Interessierte erhalten ein Überwachungszeugnis, das genaue Auskunft über die Inhaltstoffe des Frischkomposts gibt. Landwirte sind so in der Lage, ihren Kunstdüngereinsatz entsprechend der verwendeten Kompostmenge zu berechnen.

BAV Bio-Abfall-Verwertungsgesellschaft mbH

Seit einigen Jahren kooperieren die SWN Entsorgung GmbH und der Wege-Zweckverband der Gemeinden des Kreises Segeberg (WZV) als BAV Bio-Abfall-Verwertungsgesellschaft mbH. Diese Gesellschaft soll die qualitativ hochwertige Bioabfallverwertung für Neumünster und den Kreis Segeberg sicherstellen. Sie ist die Betreiberin der Biokompostierungsanlage und des Interkommunalen Recyclinghofs im SWN-Wertstoffzentrum.

Weitere Informationen

Durchschnittlich machen Bioabfälle 30 bis 40 % der Haushaltsabfälle aus. Auf ganz Europa bezogen wären das rund 100 Mio. Tonnen pro Jahr. In vielen europäischen Ländern bleibt diese Ressource zurzeit noch ungenutzt. Im Gegenteil, die Bioabfälle werden entweder mit verbrannt und mindern dabei den Heizwert in der Müllverbrennungsanlage, oder sie werden deponiert und tragen damit zu einer vermehrten Produktion klimarelevanter Gase bei. Dabei lassen sich Bioabfälle, wenn sie erst einmal getrennt gesammelt worden sind, mit vergleichsweise einfacher Technik zu wertvollen Komposten verarbeiten. Ein solcher Kompost ist besonders gut geeignet um Humusverluste auszugleichen - weitaus besser als zum Beispiel Gülle. Ein Aspekt der besonders für die von Bodendegradation betroffenen mediterranen Staaten von Bedeutung ist, der aber auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Produktion von nachwachsenden Rohstoffen (zur Energieproduktion) hier in Deutschland eine immer wichtigere Rolle spielt. Zudem haben jüngste Studien ergeben, dass die getrennte Erfassung von Bioabfällen auch finanziell günstiger ist als eine Nichttrennung.

Aus energetischen Gesichtspunkten ist es am sinnvollsten, zunächst eine Vergärung der Bioabfälle vorzunehmen. Das entstehende Gas kann dann entweder in das Erdgasnetz eingespeist werden, oder es kann daraus Strom produziert werden. Kompost wird anschließend in einem zweiten Schritt aus dem Gärrest erzeugt. Auf diese Art und Weise erzielt man den größtmöglichen Nutzen aus dem Bioabfall.

In der Landwirtschaft spart der Einsatz von Kompost Düngemittel ein, deren Rohstoffreserven begrenzt sind. Hier ist an erster Stelle Phosphat zu nennen, dessen Vorräte nach heutigen Berechnungen nur noch für rund 90 Jahre reichen sollen. Geht man von rund 100 Mio. Tonnen Bioabfällen pro Jahr aus, spart der Einsatz des daraus hergestellten Komposts durchschnittlich 10 % des jährlichen Phosphatverbrauchs in Form von Kunstdüngern ein. 

Ein weiterer positiver Aspekt der Kompostierung von Bioabfällen ist die Gewinnung von Stoffen zur Substitution von Torf. Die Torf-Importe sind in den vergangenen Jahren europaweit um das 6-fache auf über 3 Mio. m3 pro Jahr gestiegen. Die Abtorfung von Hochmooren bedeutet zum einen den Verlust eines wertvollen und selten gewordenen Biotops. Zum anderen bedeutet sie darüber hinaus die Zerstörung einer funktionierenden CO2-Senke. Durch die hohe pflanzliche Produktionsrate, insbesondere der Torfmoose, wird in wachsenden Hochmooren - genau wie in Wäldern - viel CO2 gebunden. Werden solche Moore nun abgetorft, können sie nicht nur kein CO2 mehr binden, sondern die Abtorfung führt zu CO2-Emissionen. Denn der im Torf gebundene Kohlenstoff wird im Verlauf der Nutzung mineralisiert.